Blattdünger bei Stress: Wann eine Anwendung sinnvoll ist

In der aktuellen Vegetationsperiode stellt sich häufig die Frage, welche Nährstoffe noch notwendig sind und wie sie optimal zugeführt werden können: über eine klassische mineralische oder organische Düngung in Granulatform – oder über eine wachsende Zahl an Blattdüngern, die jeweils spezielle Kombinationen von Spurenelementen enthalten?
Die Basis jeder erfolgreichen Düngestrategie bleibt eine gute Bodenfruchtbarkeit, eine stabile Bodenstruktur und eine ausreichende Wasserversorgung. Nur unter solchen Bedingungen können Pflanzen über das Wurzelsystem effizient Nährstoffe aufnehmen. In der Praxis sind diese Idealbedingungen jedoch selten: Verdichtungen, ungleichmäßige Feuchtigkeit oder ungünstige pH-Werte schränken die Nährstoffverfügbarkeit oft ein. So ist beispielsweise bei einem hohen pH-Wert die Aufnahme von Mikronährstoffen wie Mangan, Zink oder Kupfer häufig begrenzt – selbst dann, wenn die Bodenuntersuchung ausreichende Gehalte ausweist. In solchen Fällen kann eine gezielte Blattdüngung sinnvoll sein.
Warum die Grunddüngung Vorrang hat
Pflanzen nehmen Mineralstoffe am effektivsten über die Wurzeln auf. Blattdüngung kann eine wertvolle Ergänzung sein, aber sie ersetzt keine ausgewogene Bodendüngung. Man kann es mit der menschlichen Ernährung vergleichen: Der Körper ist auf die normale Nahrungsaufnahme über den Mund ausgelegt. Eine Infusion kann helfen, wenn Defizite bestehen oder der Verdauungsweg blockiert ist, ist aber keine langfristige Alternative.
Blattdünger unter Stressbedingungen – mit Vorsicht einsetzen
Viele Blattdünger enthalten Zusatzstoffe und Netzmittel, die die Aufnahme über die Wachsschicht des Blattes ermöglichen. Unter Stressbedingungen – wie Hitze, Trockenheit oder starker Sonneneinstrahlung – bilden Pflanzen jedoch oft eine dickere Wachsschicht oder reduzieren den Blattapparat. In dieser Situation ist die Aufnahme deutlich erschwert, und ein unsachgemäßer Einsatz kann Blattschäden verursachen.
Chelat-gebundene Nährstoffformulierungen (z. B. auf EDTA- oder DTPA-Basis) sind in solchen Fällen am pflanzenverträglichsten. Günstigere Alternativen, wie Blattdünger auf Schwefel- oder Nitratbasis, sind oft aggressiver und können Verbrennungen verursachen. Grundregel: Nie in der Mittagshitze spritzen, sondern frühmorgens oder abends.
Wenn der Stress nachlässt
Wenn es zu trocken oder zu kalt ist, können Pflanzen über ihre Wurzeln kaum Nährstoffe aufnehmen. In solchen Zeiten hilft eine Blattdüngung, weil die Pflanze die Nährstoffe direkt über die Blätter bekommt. Sobald es wieder genug regnet und die Bedingungen besser werden, nehmen die Pflanzen Nährstoffe über die Wurzeln aber wieder sehr gut auf. Dann bringt eine regelmäßige Blattdüngung wenig. Wichtig ist stattdessen eine Grunddüngung, also Nährstoffe im Boden, die auf einer Bodenuntersuchung basiert. Das ist auch wirtschaftlich deutlich günstiger.
Bron: Delphy

